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Du bist gut genug.

Sep 07, 2026
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Warum Shirin David Recht hat. Und 5 Hacks gegen die innere Kritikerin im Kopf.


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momentan schmettern ja Kinder aller Altersstufen, vom Kitakind bis zur Abiturientin, das dünne Stimmchen "Du bist gut genu-uuug" nach. Sie lieben diesen ungewöhnlichen Groove, auch wenn die musikalische Qualität dieses Songs mal dahingestellt sei. Dennoch trifft dieses Lied voll ins Schwarze. Warum? Das liest Du unter "Was mich diese Woche bewegt". 

Außerdem teile ich meine fünf Hacks, mit denen ich meine innere Kritikerin inzwischen ganz gut kleinkriege. Und dann habe ich auch noch einige Lern- und KI-Apps für Kinder getestet, nach Alter sortiert.

Schön, dass Du hier bist. Willkommen in der neuen Woche!🩷

 


 


Worüber ich diese Woche nachdenke

„Du bist gut genug
Ich weiß nicht, was die Welt dir sagt
Bleib einfach nur du
(K-K-K-K-KitschKrieg)

Du bist gut genug
Du bist gut genug
Du bist gut genug
Du bist gut genug

Uh, ja

Ich werde mir nie gerecht, denn ich bin zu mir nie gerecht (hm)
Babsi versus Shirin David, das nenn ich ein Titelmatch (yup)
Für mich ist das Schwerste erst Familie oder Karriere (okay)
Ich entschied mich für das Zweite wie Elisabeth die Erste"
 

— aus: Gut Genug, KITSCHKRIEG, Blumengarten & Shirin David


Hör beim nächsten Mal genau hin, wenn (D)ein Kind dieses Lied mitsingt. Es singt den Refrain und findet dabei witzig, ein kleines bisschen zu nerven. In der Strophe kommen ein paar Buzz Words vor, die reichen, damit es für sie spannend klingt. 

Wenn Du aber genau hinhörst, verstehst Du, dass da eine junge Frau vorrechnet, dass sie sich selbst nie gerecht wird. Dass das Schwerste im Leben die Wahl zwischen Familie und Karriere sei. Und dass sie sich entschieden hat, wie Elisabeth die Erste, die "Virgin Queen", die nie geheiratet hat und kinderlos blieb, um sich selbst um die Regierungsgeschäfte kümmern zu können. Wir regieren zwar keine Länder und "produzieren" auch keine Thronfolger. Vier Jahrhunderte später ist das trotzdem noch immer die Frage, die wir uns stellen.

Genau deshalb trifft dieses Lied den Nagel auf den Kopf. Unsere Kinder singen den Refrain, wir leben die Strophe. Es heißt ja leichthin, die Wahl zwischen Familie und Karriere sei eine persönliche Entscheidung. Aber ist sie das wirklich? Wird sie nicht vorgelegt – von Betreuungszeiten, die oft noch immer zu unregelmäßig sind oder zu früh enden, von Beförderungsrunden, die nach Präsenz gehen und von Elternabenden - ebenfalls in Präsenz - dienstags um 18 Uhr. Wir nennen das eine persönliche Entscheidung und wundern uns dann, warum so wenige Frauen in Führungsetagen sitzen. Ist das Ganze dabei nicht ein riesiger Konstruktionsfehler?

Und dann kommt wieder der Moment, wenn die Kita oder die Schule anruft und Du im Kundentermin sitzt, der Papa nicht erreichbar. JETZT brauchst auch Du ihn, den Refrain: "Du bist gut genu-uuug". Ich höre meine Kinder ihn ständig singen und versuche, ihnen auch selbst das Gefühl von "gut genug" zu vermitteln. Zu einer erwachsenen Frau sage ich ihn fast nie. Das nehme ich mir diese Woche endlich mal vor, zu ändern. Und Du? Welcher Frau in Deinem Umfeld sagst Du diese Woche, dass sie gut genug ist?🩷

KITSCHKRIEG feat. BLUMENGARTEN & SHIRIN DAVID - GUT GENUG

 


In Evi's Welt gut (genug) gelöst

Nicht nur, dass es noch immer diese Konstruktionsfehler gibt, die uns das Leben schwerer machen. Wir tun's obendrein auch noch selbst und lassen zu, dass eine innere Kritikerin uns sabotiert. Fünf Dinge, die bei mir gegen die Stimme im Kopf funktionieren. Immer besser.

1. Gib ihr einen Namen. Meine heißt "Mrs. B." (die Bedenkenträgerin). Sie trägt Kostüm, hat eine Lesebrille und meint es eigentlich gut mit mir. Das klingt albern, ist aber der wirksamste Trick, den ich kenne. Denn: Solange die Stimme „ich" sagt, ist sie ein Urteil. Sobald sie einen Namen hat, ist sie eine Meinung im Raum, und Meinungen kann man anhören und trotzdem anders entscheiden. 

2. Verlange Beweise. „Deine Performance in dem Meeting war nix." Woher weiß ich das? Hat jemand etwas gesagt? Gab es eine Reaktion? In neun von zehn Fällen lautet die Antwort: Ich habe es mir ausgedacht. Ich behandle diese Sätze inzwischen wie Behauptungen in einem Meeting. Wer eine These vorträgt, muss sie belegen können, und das gilt auch für die Stimme in meinem Kopf.

3. Der Freundinnen-Test. Würde ich das so zu meiner besten Freundin sagen? „Deine Präsentation war okay, aber Du hast Dich zweimal verhaspelt und alle haben es gemerkt." Niemals. Ich würde sagen, dass sie das Wichtigste rübergebracht hat und dass sich niemand an das Verhaspeln erinnert. Was ich einer Freundin nie sagen würde, sage ich mir auch nicht mehr. 

4. Führe einen Beweisordner. Ich habe einen Ordner im Postfach, der heißt schlicht „Top". Da kommt jede Email rein, in der mir jemand etwas Nettes und Konkretes geschrieben hat. Screenshots aus der Community, ein Dankeschön von einer Kundin, die Nachricht eines Kollegen nach einem Pitch. Vor großen Terminen lese ich zwei davon. Die Stimme im Kopf arbeitet mit Behauptungen, dieser Ordner arbeitet mit Belegen, und Evidenz gewinnt.

5. Sprich den Zweifel innerhalb von 24 Stunden aus. Zweifel wächst im Dunkeln. Wenn ich ihn einer einzigen Person sage, laut, in ganzen Sätzen, schrumpft er auf seine echte Größe zusammen. Meistens ist das mein Mann, und meistens dauert es zwei Minuten. Was Du dafür brauchst, ist ein Mensch, der erstmal zuhört. Lösen und reparieren darf er danach. Sag ihm vorher, dass Du genau das brauchst.

👉 Such Dir für diese Woche genau zwei davon aus. Meine Empfehlung für den Anfang: der Name und der Ordner.

 


Evi's Fundstücke

💻 Auf meinem Handy: Lern-Apps und KI für Kinder, nach Alter sortiert

Bei vier Schulkindern zwischen 6 und 14 rückt die Schule zu bestimmten Zeiten im Jahr in den Vordergrund. Eine andere Mutter, deren drei Söhne bereits alle studieren, sagte mir letzte Woche: "Das Abi meiner Söhne habe ich gemacht." - Neben Führungsjob bei einer großen Schweizer Bank, versteht sich!

Ich frage mich daher immer wieder, auf welche sinnvollen Apps und KI-Angebote ich zurückgreifen kann, um mir das Leben etwas zu vereinfachen und das Lernen für meine Kinder spannender zu machen. Einige habe ich (bzw. meine Kinder) getestet, dem Alter nach sortiert:

Bis etwa 8:  Hier definitiv noch kein Chatbot (lies zu den Gefahren mehr weiter unten), dafür zwei Apps, die sich bei uns ergänzen.

ANTON, die kostenlose Lern-App nach Lehrplan, passt die Aufgaben dem Kind an, redet aber nicht mit ihm, und genau das finde ich in diesem Alter richtig. Dafür: kostenlos, deutsches Curriculum, auch die Kleinen können sie HIlfe bedienen. Dagegen: der Belohnungs-Shop mit den Sammelmünzen zieht mehr als der Lernteil, bei uns wird ordentlich Aufgaben-Bingo gespielt, um an Punkte zu kommen. Und KI im engeren Sinn ist das nicht, was ich hier fair dazusagen möchte.

Edurino kombiniert die App mit kleinen Spielfiguren, die per NFC das jeweilige Lernthema freischalten, Lesen, Rechnen, Englisch, je nach Figur. Dafür: die Sessions sind bewusst kurz, keine Werbung, keine In-App-Käufe, und die Figur wirklich in der Hand zu halten hält Otti oft länger bei der Sache als ein reiner Bildschirm. Dagegen: Abo plus Anschaffung der Figuren, die man zudem vor dem "Untergang" im Kinderzimmer bewahren muss. Und auch Edurino ist eher ein interaktives Lernspiel als KI im eigentlichen Sinn.

 

Etwa 8 bis 12: Khan Academy, ebenfalls ganz klassisch, ohne Bot. Dafür: Komplett kostenlos, riesige Übungsbibliothek von Mathe bis Naturwissenschaften, mit Lernpfad und sofortigem Feedback zu jeder Aufgabe. Kein Konzern verdient an den Daten Deines Kindes mit, das Ganze ist eine Non-Profit-Stiftung. Dagegen (falls man es so nennen will): kein Chatbot, keine KI. Ich sehe darin für dieses Alter eher einen Vorteil als einen Mangel. Inhalte teilweise nur auf Englisch verfügbar. 


Ab etwa 10: Gemini über Google Family Link, also als betreutes Kinderkonto. Dafür: Du siehst als Elternteil, was läuft, und musst nicht Dein eigenes Konto ausleihen. Funktioniert auf dem Schul-Tablet mit, wenn Eures Google nutzt. Dagegen: Die US-Organisation Common Sense Media hat Gemini letztes Jahr in einem Kindersicherheits-Test mit dem Risikostempel „High Risk" versehen. Der Kindermodus unterscheide sich laut dem Bericht funktional kaum von der Erwachsenenversion, selbst dort ließen sich Inhalte zu Alkohol, Drogen oder Sexualität nicht zuverlässig blockieren. Außerdem weist Gemini zwar darauf hin, ein Computer zu sein, verhält sich im Gespräch aber wie ein Gegenüber, dem man vertrauen kann - und unterscheidet sich damit nicht von anderen KI-Platformen. Genau diese Mischung stufen die Prüfer als gefährlich ein, weil sie Kindern eine Sicherheit vorgaukelt, die es nicht gibt. Google bewirbt Gemini ausdrücklich auch für junge Nutzerinnen, und die Organisation fordert deshalb, dass Kinderschutz von Grund auf eingebaut wird, statt als Filter nachträglich aufgesetzt zu werden.

Ich würde diese Stufe nach diesem Bericht aktuell nicht ohne Aufsicht laufen lassen, „Kindermodus" hin oder her.

 

Ab 13: die Teen-Variante von ChatGPT, seit August 2026 verfügbar. Sie schaltet sich automatisch ein, sobald das System jemanden anhand von Angaben oder Nutzungsverhalten als minderjährig einstuft. Dafür: Im sogenannten Study Mode arbeitet die KI sokratisch. Sie stellt Gegenfragen und liefert keine fertige Lösung, bis der Jugendliche selbst darauf kommt. Bei kritischen Themen wie Selbstverletzung, Essstörungen oder Cybermobbing greifen die Schutzmechanismen deutlich sensibler als in der normalen Version. Eltern können das Konto verknüpfen, Ruhezeiten festlegen und werden gewarnt, wenn ein Gespräch in eine gefährliche Richtung kippt. Und der Bot darf ausdrücklich keine Kosenamen oder romantische Sprache verwenden, er muss klarstellen, dass er weder Gefühle noch ein Bewusstsein hat. Offensichtlich hat ChatGPT hier aus der Pleite bei Google gelernt. Dagegen: Auch die Teen-Version halluziniert weiterhin, sie erfindet plausibel klingende, aber falsche Fakten oder Quellen, was bei Hausaufgaben riskant bleibt. Um Jugendliche zu erkennen, wertet das System laufend das Tipp- und Chatverhalten aus, nicht nur ein eingegebenes Geburtsdatum, wofür Kritiker zurecht mehr Nutzerdaten als Preis nennen. Und wie bei jeder Alterssperre im Netz reicht am Ende ein Fake-Konto mit falschem Geburtsdatum, um wieder in der Erwachsenen-Version zu landen.

 

Zu all diesen Apps das große Aber, das wir auch versuchen, im Gespräch mit den Kindern zu thematisieren: Diese Werkzeuge werden unsere Kinder nicht dümmer machen. Ein Kind, das nachfragt, bis es verstanden hat, lernt mehr als eines, das sich nach der dritten Erklärung nicht mehr traut. Was mich beschäftigt, ist jedoch die andere Seite. Ein Tutor, der unendlich geduldig ist, nimmt uns eine Erfahrung ab, die wir alle brauchen: dass Verstehen anstrengend ist und trotzdem geht. Deswegen darf die App bei uns erklären, sie darf aber das Lernen nicht komplett abnehmen. Und wir reden darüber, was drin war.

 

 


Bis nächste Woche in Evi's World! Danke, dass Du hier bist.

Du bist großartig.

Und Du bist hier genau richtig.

Gründerin Evi Meyer’s World

 

 

 

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