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Du bist nicht zu beschäftigt. Du bist die Schnittstelle.

Aug 17, 2026
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Warum wir unterbewusst vor den großen Rollen zurückschrecken. Plus: Delegieren vs. Leverage – und eine App, die Dir Weichen abnimmt.


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Ich fahre für mein Leben gerne Bahn. Fokus, Ruhe, ein bisschen Rattern fürs Gemüt und dabei trotzdem vorankommen. Das ständige Rumgenörgele an der Bahn kann ich daher gar nicht nachvollziehen (auch wenn ich mit den Menschen fühle, die lange an Bahnsteigen stehen oder nicht rechtzeitig zu Terminen kommen!). Denn schließlich ist es mir ohnehin schleierhaft, wie so ein Monster-Konstrukt wie "die Bahn" (mit ihrem Schienennetz, tausenden Zügen und hunderten Bahnhöfen) überhaupt funktioniert. Kein Wunder, dass nicht immer alles superglatt gehen kann. Und dass das System schon stockt, wenn es mal eine kleine Reparatur an einer Schiene braucht.

Ähnlich wie bei uns Working Moms. Denn ich weiß, dass sich viele von Euch vorkommen wie die Leitstelle ihres eigenen Familien-Schienensystems. Termine, Kinder, Arbeit, Haushalt, Sport, Geburtstage, Arzttermine, Fahrdienste koordinieren und nebenbei noch die kleinen Dinge, die natürlich niemand auf dem Radar hat – die aber trotzdem passieren müssen. Was das über den täglichen Alltag hinaus für Dich bedeuten kann, liest Du unter Was mich diese Woche bewegt.

Und eine Sache hab ich gelernt: Delegieren ist nicht gleich Leverage bekommen. Was den Unterschied macht, erfährst Du in In Evi's Welt gut gelöst. Natürlich habe ich auch ein paar Fundstücke zum Thema, wie Du mit Komplexität besser umgehen kannst. Auf dass sie Dir Deinen Alltag etwas leichter machen! 

Schön, dass Du hier bist. Willkommen in der neuen Woche!🩷

 

 


Worüber ich diese Woche nachdenke

„Einfachheit ist der Grundton aller wahren Eleganz." 

— Coco Chanel


Wir sind nicht zu viel beschäftigt. Wir sind zu oft die Schnittstelle.

Ich bin über eine Reihe von Studien gestolpert, die mich richtig nachdenklich gemacht haben. Sie zeigen: Frauen übernehmen im Job überdurchschnittlich oft die Aufgaben, die dafür sorgen, dass der Laden läuft, aber kaum etwas zur eigenen Karriere beitragen – organisieren, koordinieren, Komitees, Berichte, sich um das kümmern, was sonst niemand auf dem Radar hat. Noch bemerkenswerter finde ich, was sich bei Führungsrollen zeigt: Sobald mehr Verantwortung vor allem mehr Menschen, mehr Abstimmung, mehr Komplexität bedeutet, wird genau diese Rolle für Frauen unattraktiver. Nicht weniger Ambition steckt dahinter. Sondern die Komplexität selbst, die abschreckt.

Mich umtreibt das. Denn ich glaube, das passiert nicht nur in den großen, sichtbaren Karriereentscheidungen, sondern leise, viel früher, lange bevor wir überhaupt bewusst „Nein" sagen. Wir merken es kaum, wenn wir die Beförderung mit den zehn Stakeholdern innerlich schon abgehakt, bevor wir sie ernsthaft in Erwägung gezogen haben. Wenn wir die Rolle mit weniger Schnittstellen wählen. Nicht, weil sie besser zu uns passt, sondern weil sie uns weniger abverlangt. Wir vermeiden intuitiv, unterbewusst, genau die großen, bedeutungsvollen Rollen. Nicht, weil wir sie nicht könnten, sondern weil wir die Komplexität dahinter spüren und ihr instinktiv ausweichen.

Das ist die Erkenntnis, die mich diese Woche beschäftigt: Der Hebel darf nicht darin liegen, im Kleinen – zuhause, im Familienkalender, bei den hundert unsichtbaren Alltagsdingen – noch mehr an uns zu ziehen und alles selbst machen und zusammenzuhalten zu wollen, "weil wir es können". Der Hebel liegt darin, genau dort Komplexität herauszunehmen, damit wir Kapazität und Mut übrig haben, die großen Rollen überhaupt erst anzunehmen. Weniger Ambition ist nicht die Lösung. Mehr Raum für Ambition ist es.

 


In Evi's Welt gut gelöst
 
Nicht nur delegieren. Leverage schaffen.

'Schnittstelle sein' und 'Verantwortung tragen' sind zwei verschiedene Dinge – man kann Verantwortung behalten und trotzdem aufhören, der Flaschenhals zu sein. Meistens sprechen wir von Delegieren, dabei ist 'Leverage schaffen' eigentlich der Königsweg. Und beides wird oft verwechselt.

Delegieren heißt: Eine Aufgabe, die bisher bei mir lag, übernimmt jemand anderes. Leverage geht einen Schritt weiter: Ich baue ein System, durch das mein eigener Einsatz nicht mehr linear mit dem Ergebnis wachsen muss. Wenn ich also nicht mehr selbst jede Kinderarztpraxis anrufen muss, sondern jemand anderes das übernimmt, habe ich delegiert. Wenn ich daraus einen einfachen Prozess mache, über den solche Termine künftig automatisch organisiert werden können (und ich nicht mal mehr daran denken muss!), habe ich Leverage geschaffen.

Hier wird's also spannend: Delegation gibt mir Zeit zurück. Leverage verändert, wie mein System funktioniert. Wichtig dabei ist: Leverage bedeutet nicht, dass Du komplett raus bist. Du verschiebst Deine Rolle von Macherin zu Gestalterin des Systems.

Gehe doch diese Woche einmal durch Deine To-do-Liste und anstatt zu fragen „Was kann ich abgeben?“, frage Dich lieber: „Wo könnte mein einmaliger Einsatz dafür sorgen, dass diese Aufgabe künftig zehnmal leichter wird?“

Ein paar Beispiele:

👩‍👧 Kinder & Familie: Du erklärst Deinem AuPair einmal, wie bei Euch Arzttermine organisiert werden – inklusive was ihn auslöst bzw. wann Routinetermine an der Reihe sind, Ansprechpartner, Kalender, Versicherungskarte etc.
→ Nicht jedes Mal delegieren. Ein System bauen.

🍝 Essen: Du erstellst einmal eine Liste mit 15 Familiengerichten, die alle mögen, inklusive Einkaufsliste.
→ Danach muss niemand mehr jede Woche bei Null anfangen.

🎒 Schule & Aktivitäten: Du legst einen gemeinsamen Kalender mit allen wiederkehrenden Terminen und einen festen Ablauf für Sporttaschen, Fahrdienste etc. an.
→ Dein einmaliger Organisationsaufwand reduziert fünfzig kleine Abstimmungen. Tipp: Siehe dazu auch meine Fundstücke diese Woche!👇

📩 Kommunikation: Du schreibst eine gute Vorlage für wiederkehrende Mails.
→ Einmal denken, immer wieder nutzen.

🧠 Wissen: Du erklärst etwas nicht fünfmal fünf verschiedenen Menschen, sondern machst daraus einen One-Pager, Loom-Video oder FAQ.

 

Delegation fragt: Wer kann das für mich machen?

Leverage fragt: Wie kann ich dafür sorgen, dass ich es nicht jedes Mal wieder machen muss?

Du wunderst Dich nun "Wie involviert muss ich dabei noch sein?" - Bei echtem Leverage solltest Du idealerweise an den Stellen involviert bleiben, an denen Dein Urteil, Deine Erfahrung oder Deine Entscheidung einen Unterschied macht. Du solltest also nicht komplett aus dem System verschwinden.

DESK anstatt MEKKER (What?)

Definiere → Erkläre einmal → Setze Standards → Kontrolliere & gib Feedback   

anstatt

Machen → Erklären → Kontrollieren → Korrigieren → Erneut übernehmen → Repeat  

Erkennst Du den Unterschied?

Lege daher diese Woche mal diese eine Frage über Deine gesamte Woche:

„Wo bin ich immer noch die Lösung, obwohl ich eigentlich das System bauen könnte?“

 


Evi's Fundstücke

 

Jam Familienkalender
À propos Leitstelle: hier habe ich Hilfe für Dich! Die App Jam Family Calendar. Sie bündelt Kalender, To-do- und Einkaufslisten an einem Ort, damit die ganze Familie auf demselben Stand ist und sich die Aufgaben fair aufteilen kann. Unterscheidet sich dabei aber in einem ganz wesentlichen Punkt von anderen Versionen solcher Apps: Man kann Schul-Mails, Einladungen oder Vereinstermine so wie sie sind weiterleiten. Jam trägt sie automatisch in den Kalender ein ohne dass Du sie manuell abtippen muss. Und für alle, die ständig koordinieren, wer wann wen wohin fährt, gibt es die "Who's Driving"-Funktion: Man markiert einfach, wer fährt, und die Person bekommt den Termin samt Erinnerung automatisch in ihren eigenen Kalender. Kein Stellwerk der Welt braucht mehr Handarbeit als unser Familienalltag – diese App nimmt Dir wenigstens ein paar Weichen ab.
 
The Essentialism 

Essentialism: The Disciplined Pursuit of Less von Greg McKeown ist ein Plädoyer für weniger – aber dafür für die richtigen Dinge. Die Frage ist nicht: Wie bekomme ich alles unter? Sondern: Was ist wirklich wesentlich? Klassiker, der auch Dir helfen kann, was nicht mehr auf Deinen Fahrplan gehört.

 

The Coordination Tax

Und zuletzt noch das Konzept der Coordination Tax, das ich Dir ans Herz legen möchte. Denn wenn's komplexer wird, zahlst Du drauf: Je mehr Menschen, Aufgaben und Schnittstellen beteiligt sind, desto mehr Zeit kostet allein die Abstimmung. Unsere Komplexität entsteht nicht nur durch die Anzahl unserer To-dos, sondern durch all die kleinen Verbindungen dazwischen. Als Deine "Steuerberaterin" sage ich Dir: eliminiere Schnittstellen, damit Du weniger Weichen stellen musst. (Vielleicht auch ein Tipp für unsere Bahn?)

 


 

Bis nächste Woche in Evi's World! - Danke, dass Du hier bist. 

Du bist großartig.

Und Du bist hier genau richtig.

Gründerin Evi Meyer’s World

 

 

 

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