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Ich mach das schon, Mama

Aug 24, 2026
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Von Helikoptern und Rasenmähern und einer japanischen Serie, die uns lehrt, es besser zu machen.


Liebe {{custom_5}}

Wer kennt das nicht, diesen Drang, es seinem Kind leicht zu machen, es "nur kurz zu zeigen", sich einzumischen. So wie ich am Wochenende mit Otti im Reitstall. Als sie ihr Pony aus der Box holt, putzt und sattelt. Alles ganz alleine und sehr selbstbewusst. Beim Satteln stehe ich neben ihr und Jackie, dem Pony, und muss mich körperlich zusammenreißen, um nicht „Der Sattelgurt sitzt zu weit hinten" zu sagen. Er saß zu weit hinten. Und sie hat es selbst gemerkt, bevor sie aufgestiegen ist.

Und damit sind wir beim Thema dieser Woche. Es auszuhalten, dass nicht immer alles 100% nach Plan läuft, Vertrauen in unsere Kinder - und auch andere - zu haben. Ich hätte in vier Sekunden richtig gesattelt und mich dabei auch noch hilfreich gefĂĽhlt. Ich hätte ihr dabei aber die Erfahrung geklaut, die so viel mehr zählt: Ich merke selbst, wenn etwas nicht stimmt. Ich kann das. 

Vertrauen ist nicht einfach nur ein Wort. Vertrauen ist die Entscheidung, nichts zu tun, obwohl man könnte. Bei Kindern. Bei AuPairs. Bei Teams. Und auch bei sich selbst.

Heute nehme ich Dich mit in einen Community Call, der mich richtig berührt hat, in die Frage, warum Helikopter-Eltern es so gut meinen und so viel verhindern, und zu ein paar sehr konkreten Dingen, die bei uns zu Hause die Selbstständigkeit meiner vier Kinder zurückgebracht haben, nachdem ich sie fast wegorganisiert hätte.

Schön, dass Du hier bist. Willkommen in der neuen Woche!🩷

 


 

Wir sind ein People Business. Kein Kursanbieter, kein Onboarding-Tool. Alles, was wir hier tun, steht und fällt mit Vertrauen – zwischen Gastfamilie und AuPair, zwischen den Frauen in unserer Community, zwischen uns und Dir.

Letzte Woche hatten wir unseren Live Call mit den AuPairs, und da saß eine junge Frau dabei, die frisch aus einem Rematch kommt. Was sie erzählt hat, tat weh. Ihre vorherige Familie war respektlos im Ton. Aufgaben wurden nie klar definiert, dafür wurde ständig nachträglich kritisiert. Und wenn sie den Kindern etwas gesagt hat, wurde sie vor ihnen übergangen. Kein Rückhalt, keine Autorität, keine Chance.

Jetzt ist sie bei Julia aus unserer Community gelandet. Julia hat sie aufgenommen und direkt den Kurs gebucht, damit dieses Jahr für beide Seiten funktioniert. Nicht „damit das AuPair spurt". Sondern damit Menschen, die sich vor drei Wochen noch nicht kannten, eine gemeinsame Basis bekommen.

Was fĂĽr eins schöner Vertrauensbeweis: investieren, bevor Du weiĂźt, ob es sich lohnt. Julia, falls Du das liest: Hut ab! 

👉 Du willst beim nächsten Durchgang dabei sein? Setz Dich auf die Warteliste. Die Plätze gehen zuerst an diejenigen, die dort stehen, und wir halten die Gruppen bewusst klein.


Hier geht's zur Warteliste 

 


WorĂĽber ich diese Woche nachdenke

„Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe." 

— Pippi Langstrumpf, Astrid Lindgren


Es gibt zwei Sorten von Eltern, die es besonders gut meinen. Die Helikopter kreisen über allem und sind sofort zur Stelle. Die Rasenmäher fahren vorweg und räumen jedes Hindernis weg, bevor das Kind überhaupt stolpern könnte. Beide handeln aus Liebe. Und beide nehmen ihren Kindern genau das weg, was Selbstbewusstsein überhaupt erst entstehen lässt: die eigene Erfahrung, dass man etwas hinbekommt. Und die eigene Erfahrung, dass man etwas nicht hinbekommt und trotzdem geliebt wird.

Hier liegt für mich der größte Denkfehler unserer Generation. Wir verwechseln Schützen mit Lieben. Aus Kindern werden keine selbstbewussten Gewinner:innen, weil wir ihnen den Weg freiräumen. Sie werden es, weil sie ins Tun kommen. Weil sie etwas anfangen, hinfallen, sich den Staub abklopfen und beim zweiten Mal wissen, wie es besser geht. Selbstbewusstsein ist kein Gefühl, das man Kindern einreden kann. Es ist ein Erfahrungswert. Und Erfahrungswerte entstehen nur da, wo auch mal etwas schiefgehen darf.

Was das mit uns ambitionierten Müttern zu tun hat? Wir haben ein schlechtes Gewissen, weil wir arbeiten, reisen, präsent sein wollen - aber nicht immer sein können. Ich drehe das um: Genau darin liegt unsere Chance - und die unserer Kinder. Unsere Kinder wachsen mit dem Selbstverständnis auf, dass Mama etwas Eigenes hat. Sie müssen Dinge selbst regeln, weil wir eben nicht in jeder Sekunde danebenstehen. Das ist kein Defizit. Das ist ein Trainingslager für Eigenständigkeit. Lass uns diese Chance aktiv nutzen, statt sie zu bedauern. Längere Leine, nicht kürzere.

Meine Frage an Dich für diese Woche: Wo greifst Du bei Deinem Kind ein, obwohl es das eigentlich selbst könnte? Nimm Dir eine einzige Sache vor und halte einmal die Klappe. Schreib mir, was passiert ist.

 


In Evi's Welt gut gelöst


Ich habe in unserem ersten AuPair-Jahr einen Fehler gemacht, indem ich unser AuPair einfach alles für meine Kinder machen ließ. Ranzen packen, Sportsachen suchen, Teller abräumen, Schuhe binden. Es ging ja auch so viel schneller. Nach ein paar Monaten hatte ich einen perfekt funktionierenden Haushalt und vier Kinder, die verlernt hatten, sich selbst zu organisieren. Autsch.

Bei unseren AuPairs habe ich das erstaunlicherweise von Anfang an anders gehandhabt. Anmeldung beim Bürgeramt, Termin bei der Ausländerbehörde, Sprachschule aussuchen, später die Bewerbung schreiben, kleine Reisen am Wochenende planen: Das haben sie immer selbst gemacht. Ich habe erklärt, begleitet und Mut gemacht, aber ich bin nicht mitgegangen. Und genau die jungen Frauen, die im Oktober noch nervös vor dem Behördenformular saßen, sind im Juni mit einem Selbstbewusstsein abgereist, das man nicht schenken kann. Gleiches Prinzip, andere Person. Ich hatte es bei den AuPairs verstanden und bei meinen eigenen Kindern übersehen.

Das haben wir korrigiert. Diese sechs Dinge machen bei uns seitdem den Unterschied:

1. Definiere schriftlich, was die Kinder weiterhin selbst machen.
Wir haben eine kurze Liste pro Kind: Bett machen, Ranzen packen, Teller in die SpĂĽlmaschine, Sportsachen zusammensuchen. Unser AuPair wusste jeweils, dass sie im Hintergrund stehen und notfalls eingreifen darf. Aber Helfen im Sinne von Selbst machen war ausdrĂĽcklich nicht erwĂĽnscht. Das entlastet auch die AuPairs enorm.

2. Gib Deinem AuPair ihren eigenen Kram zurĂĽck.
Behördengänge, Sprachkurs, Konto, Reisepläne: Begleite, aber übernimm nicht. Ich weiß, wie verlockend es ist, den Anruf schnell selbst zu erledigen. Du raubst ihr damit die Erfahrung, in einem fremden Land etwas allein geschafft zu haben. Genau diese Erfahrung ist der Grund, warum sie mit mehr geht, als sie gekommen ist.

3. Kinder stehen nicht auf der Gehaltsliste.
Zimmer aufräumen, Wäsche in den Korb, Tisch abräumen: Das ist keine bezahlte Leistung, sondern der Preis dafĂĽr, in diesem Haus zu wohnen. Unserer Familiengemeinschaft anzugehören. Jede:r bringt sich ein. 

4. Extrageld gibt es fĂĽr kleine Gigs, nicht fĂĽr Existenz.
Wäsche falten oder bügeln, das Auto saubermachen, ein Video für mich schneiden, ein Buch lesen und mir erzählen, was drinsteht. Körper oder Kopf, beides zählt. Bedürfnisse zahlen wir, Wünsche nach Absprache 50/50. Und plötzlich ist auch nicht mehr jeder Wunsch ganz so relevant!

5. Gib den 'Benefit of the Doubt', laut und hörbar.
Wenn etwas schiefgeht, pushe ich mich, zu fragen: „Erzähl mal, wie war das?" Nicht: „Warum hast Du?" Denn Kinder, die wissen, dass sie zuerst gefragt und nicht zuerst verurteilt werden, erzählen Dir mit fĂĽnfzehn noch Dinge, die Du wissen willst. 

6. FĂĽhre sichtbar unperfekt und entschuldige Dich richtig.
Zu Fritzi habe ich neulich gesagt: „Ich habe noch nie einen Vierzehnjährigen groĂźgezogen. Ich werde Dinge falsch machen." Und wenn ich im Stress unfair war, gehe ich zurĂĽck und sage: „Es tut mir leid, wie ich mit Dir geredet habe. Das lag nicht an Dir, das lag an mir." Kinder, die erleben, dass Erwachsene Verantwortung ĂĽbernehmen, trauen sich selbst Fehler zu. 


Evi's FundstĂĽcke

🛋️ Auf meinem Sofa: Old Enough! (Netflix, japanische Originalserie „Hajimete no Otsukai")

Diese Serie ist ein bisschen "alter Schuh", aber extrem passend zum Thema. Das Format läuft in Japan seit 1991 und begleitet Kinder unter sechs Jahren dabei, wie sie zum ersten Mal allein eine Besorgung erledigen: Einkaufen, ein Paket abgeben, mit dem Bus nach Hause fahren. Die Wege werden vorher genau geprĂĽft, ein Kamera- und Sicherheitsteam ist immer dabei. Kein Elternteil daneben. Keine Korrektur. Fast jedes dieser Kinder hat am Anfang schreckliche Angst, und das zu Recht. Am Ende steht ein Stolz auf die eigenen Fähigkeiten, den man nicht erklären kann. Sie hatten eine Aufgabe, niemand hat ihnen geholfen, und sie haben es geschafft. 

 

đź“– Auf meinem Nachttisch: „Im Grunde gut" von Rutger Bregman – 

Dieses Buch ist der große Gegenentwurf zum Misstrauen. Bregmans These: Wir Menschen sind im Kern kooperativ und anständig, und fast alles, was uns vom Gegenteil überzeugt, ist schlechte Berichterstattung oder eine schlecht gemachte Studie. Er nimmt sich die berühmtesten Experimente der Psychologie vor und zerlegt sie, eins nach dem anderen.

Ich lese dieses Buch gerade schon zum zweiten Mal, in kleinen Portionen, denn die leichteste Kost ist es zugegebenermaßen nicht. Es verändert aber etwas an meiner Grundhaltung. Denn wenn Menschen im Grunde vertrauenswürdig sind, dann ist Vertrauen keine Naivität, sondern die realistischere Annahme. Das gilt für die Fremde an der Kasse. Das gilt für Dein AuPair. Und das gilt ganz besonders für Dein Kind, das Dir gerade erklärt, dass es das schon alleine kann.


Bis nächste Woche in Evi's World!

Danke, dass Du hier bist. 

Du bist groĂźartig.

Und Du bist hier genau richtig.

Gründerin Evi Meyer’s World

 

 

 

 

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